Auguren
Posted on August 10, 2010
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“le bonheur” sagt der Franzose zum Glück, und auf die Schnelle übersetzt wird daraus “Gute Stunde”. Oder doch nicht?
“Le” ist bekanntlich männlich, aber “l’heure” ist im französischen nunmal weiblich. Also noch mal neu nachdenken. Wie nahezu alle Begriffe im romanischen Wortstamm leitet sich auch das französische Glück, übrigens auch das “malheur”, nämlich Pech, vom Lateinischen ab. Und dort heißt es “bonum augurium”. Da liegen Magie und Träume begraben.
Übersetzt etwa “gute Vogelschau”, die von den Weissagern und Sehern der Römer durchgeführt wurden, den Auguren
Es steht für eine gute Vorbedeutung, also für Glück. Das italienische Wort “auguri” für Glückwunsch leitet sich ebenfalls von den Auguren ab. Das Kollegium der Auguren war nach dem Priesterkollegium das bedeutendste religiöse Gremium im alten Rom.
Die Legende führt es bis auf die Gründerväter der Stadt, Romulus und Remus, zurück
Augur zu sein war daher eine der höchsten kultischen Ehren, die einem Römer zuteil werden konnte
Im römischen Sinne ist der Augur also kein echter Geistlicher. Als Zeichen seiner Würde führt er einen charakteristischen Krummstab von etwa Unterarmlänge mit sich. Wurde das Amt des Auguren auf seinen Nachfolger übertragen, so nannte man dies “inauguratio”, was auch in der heutigen Zeit noch dem Sprachgebrauch für eine feierliche Amtseinführung entspricht.
Aufgabe eines Augurs war die Beobachtung natürlicher Phänomene, die in Zeichen umgedeutet werden konnten.
Der Fingerzeig der Gottheit, so genannte “Auspizien”
Meist im Auftrag der Staatsführung oder eines berühmten Feldherrn müsste sich das Schicksal des Volkes, der Erfolg der Regierungszeit oder der Ausgang militärischer Vorhaben vorzeitig erkennen lassen.
Erbetene hoffnungsfrohe, aber auch ungünstige bis fatale Vorzeichen sollte der Augur benennen und deuten, neben Naturschauspielen der eindrucksvolleren Sorte wie Blitz und Donner vor allem jedoch aus Lebewesen, vorzugsweise Vierfüßern und später auch Vögeln. Prominente Beispiele sind die Eingeweideschau aus geschlachteten Tieren und eben auch die Vogelschau, eben die Beobachtung des Vogelfluges.
Die Beschauung der Eingeweide orientierte sich an der Erkennung besonderer, ungewöhnlicher Merkmale an den inneren Organen. In manchen Kulturen ist das heute noch üblich, etwa in der peruanisch-indianischen Cuy-Methode zur “Diagnose” von Krankheiten. Schon in der Antike wurden aber die Ergebnisse jener Kaffeesatzleserei nicht immer kritiklos hingenommen.
Als König Prusias von Bithynien einen Feldzug abblasen wollte, weil die Vorzeichen hierfür ungünstig schienen, soll der berühmte Feldherr Hannibal ausgerufen haben: “Schenkst du denn einem Stück Kalbfleisch mehr Glauben als einem altgedienten General?”
Bekanntlich nahmen die Feldzüge des Karthagers gegen Rom, vor allem im zweiten Punischen Krieg, einen überaus erfolgreichen Verlauf. Trotz oder wegen der Vorzeichendeutung? Hannibal gab jedenfalls nichts drauf.
Bei der Vogelschau kam es auf Flugrichtung und Lautäußerung an. Je nach Lautstärke, Tonfall und Anzahl der Schreie der beobachteten Schwärme und Einzeltiere deuteten sich die Auspizien an. Sonst durch Geschwindigkeit, Richtung und Bewegung, auch Jahres- und Tageszeit hatten Informationswert.
Im antiken Rom gab es sogar einen eigenen Platz dafür, das sogenannte Auguraculum. Um Mitternacht bezog der Augur seinen Platz im himmelsoffenen Tempel, um das Ritual nach streng festgelegten Regeln durchzuführen. Er sprach Formeln zur Bestimmung der Himmelsrichtung und verharrte dann regungslos, um Zeichen abzuwarten.
Danach wurden diese von ihm mit verbundenen Augen gedeutet. Tat sich kein Zeichen, so wurde das Ritual tags drauf penibel genau wiederholt. Wegen der geringen Aussagekraft und mangelhaften Zuverlässigkeit verkam die Vogelschau in späterer Zeit zur reinen Formalität, wobei es schon gar nicht mehr darauf ankam, ob sich überhaupt ein bedeutendes Zeichen tat.
Missbrauch und Aberglaube waren damit Tür und Tor geöffnet
Wer kennt nicht Sprüche wie “Schwarze Katze von rechts nach links – Unglück bringt’s” oder auch “Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer”? Sie alle sind das Erbe der antiken Auguren.
Interessantes Thema. Weitere Informationen findet Ihr hier.
Weise Grüße
Barbara
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Seit langer Zeit bin ich davon überzeugt, dass es Dinge zwischen „Himmel und Hölle“ gibt, die man nicht erklären kann.